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Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: So Jun 28, 2026 12:30 pm
von Holger Hendel
Ich habe von 1 dude auf social media ("Musikpsychologe", Musikwissenschaftler o.ä.) die These gehört, dass "jüngere Menschen die Moll-Tonalität nicht mehr vordergründig als traurig empfänden". Als Gründe führte er an, dass populäre Musik (allg. Popmusik, aber er erwähnte auch explizit HipHop und EDM) viel häufiger in Moll komponiert sei als früher. Demnach würde sich die emotionale Bedeutung von Moll verändern: "Normal", "cool", "energetisch" und noch einige Begriffe, die ich mir nicht gemerkt habe. Das fand ich sehr spannend und halte das auch für wahrscheinlich: die emotionale Bandbreite von Moll könnte größer geworden sein und die automatische Gleichsetzung "Moll = traurig" (steht so in den Schulbüchern...) könnte schwächer ausfallen als früher. Ich finde den bro auf social media nicht wieder. Falls jemand von euch etwas spannendes zu dieser Beobachtung im Internet findet freue ich mich übers Teilen.

Selbstverständlich wirken auch andere musikalische Parameter (Rhythmik, Tempo, Text...) auf die emotionale Wahrnehmung eines Musikstücks; dem Herrn auf social media ging es aber nur um die Tonalität.

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: So Jun 28, 2026 12:55 pm
von L1
Ich habe Dur und Moll eigentlich schon immer lieber mit Begriffen wie "härter" oder "weicher" klingend beschrieben. Welche Emotionen man jeweils damit verbindet, hängt wohl eher vom Einzelfall ab ... vom Stück, aber auch von der jeweiligen Person und deren Stimmung grad ...

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: So Jun 28, 2026 2:51 pm
von string
"Moll = traurig"
M.E. alles eine individuelle Empfindungssache.
Da kann man ja wissenschafrlich viel herumdiskutieren.

Mit mollig-warmen Gruß :D

Klaus

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: So Jun 28, 2026 3:59 pm
von rwe
Holger Hendel hat geschrieben:
So Jun 28, 2026 12:30 pm
These gehört, dass "jüngere Menschen die Moll-Tonalität nicht mehr vordergründig als traurig empfänden". Als Gründe führte er an, dass populäre Musik (allg. Popmusik, aber er erwähnte auch explizit HipHop und EDM) viel häufiger in Moll komponiert sei als früher. Demnach würde sich die emotionale Bedeutung von Moll verändern: "Normal", "cool", "energetisch" und noch einige Begriffe, die ich mir nicht gemerkt habe.
Ich bin nun Mitte 60, und als ich vor 50+ Jahren die Gleichsetzung "moll = traurig" erstmals gehört hatte, fand ich sie damals schon falsch. Ebenso die "Blue Notes", bei denen ich das "blue" auch nie mit "traurig" übersetzt habe.
Das genannte Argument halte ich für passend - meine MuWi-Kommiliton:innen waren primär klassisch-musikschulisch sozialisiert, ich kam, als Biodeutscher, aber durch gutes Radioprogramm mit viel Blues, Jazz etc. anders sozialisiert, da in einem Paralleluniversum an, dessen Rezeptionsästhetik mir erstmal fremd war.

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: So Jun 28, 2026 7:06 pm
von docsteve
Meine ukrainischen Freunde fragten mal, warum es in Deutschland so wenige Lieder in Moll gibt. Sie hätten viel mehr.

Stimmt: auch traurige deutsche Lieder sind oft in Dur, und fröhliche ukrainische Lieder in Moll.

Man fragt sich, ob das kulturelle Differenzen sind oder nur die Musikwissenschaftler einen Knoten im Hirn haben.

Viele Grüße, Stephan

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: So Jun 28, 2026 7:33 pm
von string
...die Musikwissenschaftler einen Knoten im Hirn haben.
:lol:
Super!

Gruß

Klaus

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: So Jun 28, 2026 8:08 pm
von rwe
docsteve hat geschrieben:
So Jun 28, 2026 7:06 pm
Man fragt sich, ob das kulturelle Differenzen sind oder nur die Musikwissenschaftler einen Knoten im Hirn haben.
Na ja, nicht nur die MuWis, sondern auch Lehrer, Musiker etc. Richtig geil, aus meiner alten Gemeindeband-Zeit: Irgend eine Textzeile eines Liedes, "ob man in Dur singt oder moll", alles in Dur harmonisiert (in der mir bekannten Version von "Vergiss es nie"). Bei dem Lied muss man sich einfach weigern, den Schxxx zu spielen.

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: Do Jul 02, 2026 10:06 pm
von saitentsauber
L1 hat geschrieben:
So Jun 28, 2026 12:55 pm
Wenn ich nun bedenke, dass das frz. "dur" hart und das frz. "mou/molle" weich bedeutet, denke ich mir ... "chapeau"! :) :) :)

Aber vielleicht noch ein bisserl zum Thema? Wir wissen doch, dass sich die Wahrnehmung zumindest eines Intervalls in unserem Teil der Welt stark geändert hat. Also...

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: Do Jul 02, 2026 10:18 pm
von saitentsauber
L1 hat geschrieben:
So Jun 28, 2026 12:55 pm
Ich habe Dur und Moll eigentlich schon immer lieber mit Begriffen wie "härter" oder "weicher" klingend beschrieben.
Wenn ich nun bedenke, dass das frz. "dur" hart und das frz. "mou/molle" weich bedeutet, denke ich mir ... "chapeau"! :) :) :)

Aber vielleicht noch ein bisserl zum Thema? Wir wissen doch, dass sich die Wahrnehmung zumindest eines Intervalls in unserem Teil der Welt stark geändert hat. Also... (und nicht nur in Einzelfällen)

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: Do Jul 02, 2026 11:59 pm
von landmesser
docsteve hat geschrieben:
So Jun 28, 2026 7:06 pm
Man fragt sich, ob das kulturelle Differenzen sind oder nur die Musikwissenschaftler einen Knoten im Hirn haben.
Mal aus der Hüfte geschossen ein paar Theorien dazu:

- Die Unterscheidung Dur/Moll in dieser Form gibt es sowieso nur, um Schülern prüfbares Wissen zu vermitteln. Moll oder Blue Note ist prüfbar. Gerichtsfest.

- Ukrainisch: Ukrainisch Moll ist eine Tonleiter, die nichtmal von der Theorie der Kirchentonleitern abgedeckt wird. Ist eine Tonleiter der osteuropäischen Juden. Eine Tonleiter mit einem Abstand mit drei Halbtönen Abstand zwischen zwei Tönen war nach dem, was ich in der Schule gelernt habe, nicht möglich. Genauso wie vier verschiedene Molls.

- Hörgewohnheiten: Das fiel mir eigentlich erst richtich auf, als ich mit einer Mittelaltertruppe in Wacken war. Ich selbst begleite Mittelaltermusik (und auch irische und bretonische Tänze) auf der Gitarre oft mit Powerchords, und diese sind auch im Metall und vergleichbaren Stylen (Stilen/Styles) oft verwendet. Von der Harmonik ist Dur/Moll nicht unterscheidbar, dies wird nur über die Melodie gemacht. Ich habe mir gerade für einen Event Rudi Ratlos von Lindenberg draufgetan - ich musste erstmal überlegen, wie ich die Dur/Moll Harmonik zwischen Versen und Chorus überhaupt darstelle. Bis auf die ersten drei Zeilen des Chorus nur Standard drei Finger Powerchords. Woher soll der NurHörer solche Unterscheidungen kennen? Muss er auch nicht, er soll auch einfach geniessen können.

Ich habe probiert, die Ausgangsfrage zu beantworten. Ohne eine musikalische Ausbildung - ich spiele nach Tabulatur und nicht nach Noten.

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: Fr Jul 03, 2026 8:26 am
von L1
saitentsauber hat geschrieben:
Do Jul 02, 2026 10:18 pm
L1 hat geschrieben:
So Jun 28, 2026 12:55 pm
Ich habe Dur und Moll eigentlich schon immer lieber mit Begriffen wie "härter" oder "weicher" klingend beschrieben.
Wenn ich nun bedenke, dass das frz. "dur" hart und das frz. "mou/molle" weich bedeutet, denke ich mir ... "chapeau"! :) :) :)

Aber vielleicht noch ein bisserl zum Thema? Wir wissen doch, dass sich die Wahrnehmung zumindest eines Intervalls in unserem Teil der Welt stark geändert hat. Also... (und nicht nur in Einzelfällen)
Ich empfinde diesen Beitrag als ebenso überheblich wie überflüssig ... es war mein ehrlicher spontaner Gedanke ZU dem Thema.
Es kann nicht jeder so klug sein wie du (und ich hatte auch keine Gelegenheit Französisch oder eine andere Fremdsprache zu lernen).

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: Fr Jul 03, 2026 10:37 am
von rwe
L1 hat geschrieben:
Fr Jul 03, 2026 8:26 am
Ich empfinde diesen Beitrag als ebenso überheblich wie überflüssig ... es war mein ehrlicher spontaner Gedanke ZU dem Thema.
Es kann nicht jeder so klug sein wie du (und ich hatte auch keine Gelegenheit Französisch oder eine andere Fremdsprache zu lernen).
@L1 - vielleicht etwas überreagiert?
@saitentsauber hat die tatsächliche Übersetzung dargestellt. Die deutsche "Verballhornung" mit "fröhlich" / "traurig" entspricht ja auch nicht der Bedeutung der Worte. Darauf hat @saitentsauber hingewiesen. Und du, @L1, hast das für dich entsprechend der Semantik so herausgehört. Passt doch!

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: Fr Jul 03, 2026 12:30 pm
von string
Warum über Empfindungen streiten?? :shock:
Also ich kenne niemanden, der so oft recht hat , wie ich :wink:

Einen angenehmen, sonnigen Sommertag.

Klaus

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: Fr Jul 03, 2026 3:26 pm
von saitentsauber
docsteve hat geschrieben:
So Jun 28, 2026 7:06 pm
auch traurige deutsche Lieder sind oft in Dur, und fröhliche ukrainische Lieder in Moll. [/quote Hasse zuffällig ein paar Links zu guten Beispielen? Mich würde u.a. interessieren, welche Rolle der Text für die Einstufung von Liedern als traurig bzw fröhlich spielt...

Re: Moll ≠ traurig / veränderte emotionale Wahrnehmung der Moll-Tonalität

Verfasst: Sa Jul 04, 2026 8:15 am
von docsteve
Nein, das Ganze basiert auf einem fröhlichen Liederabend mit Gitarre und Gesang.